Bevor Ellen von Unwerth zu einer der bekanntesten Modefotografinnen ihrer Generation wurde, stand sie selbst vor der Kamera. Die 1954 in Frankfurt am Main geborene Fotografin wechselte Mitte der 1980er-Jahre die Seite und entwickelte einen eigenen Stil, der als “kühle Erotik” beschrieben wird. Wie dieser Wechsel gelang und was ihr Werk bis heute prägt, zeigt ein Blick auf ihre Karriere.

Von der Modelkarriere in Paris über den Kamera-Moment in Kenia bis zur Kontroverse um ein Werbeplakat Anfang 2026: Dieser Artikel zeichnet Karriere und Stil von Ellen von Unwerth nach und ordnet die aktuelle Debatte sachlich ein. Einen Überblick über die Geschichte der Mode- und Aktfotografie bietet außerdem unser Kunst-Archiv mit historischen Aufnahmen. Stand der Angaben: 21.09.2026.
Vom Model zur Fotografin: die Karriere von Ellen von Unwerth
Vor ihrer Modelkarriere arbeitete Ellen von Unwerth drei Jahre lang als Assistentin eines Zirkusmagiers. Ab etwa 20 Jahren begann sie als Model zu arbeiten und wurde 1975 von der Agentur Elite Model Management entdeckt, was ihr eine Modelkarriere in Paris ermöglichte.
1986 kam es bei einer Modeproduktion in Kenia zum entscheidenden Moment: Sie lieh sich eine Kamera und fotografierte Models und Kinder vor Ort. Diese Bilder fanden mehr Anklang als ihre eigene Modelarbeit und lösten den Wechsel zur Fotografie aus. Den Durchbruch als Fotografin brachten ihr Aufträge für die französische Elle, darunter eine Guess-Jeans-Kampagne mit der damals 17-jährigen Claudia Schiffer. Für den Leser heißt das: Von Unwerth kannte die Perspektive vor der Kamera aus eigener Erfahrung, bevor sie selbst hinter die Kamera wechselte.
Stil und Themen: “kühle Erotik” mit weiblicher Selbstbestimmung
Von Unwerths Werk umfasst vor allem Mode- und Porträtfotografie. Ihr Stil gilt als von Helmut Newton beeinflusst und wird als “kühle Erotik” beschrieben. Zugleich legt sie nach eigener Darstellung besonderen Wert auf die Selbstbestimmung der von ihr fotografierten Frauen: Sie beschreibt ihren Ansatz so, dass sie niemanden zu etwas zwinge, sondern den Frauen Rollen gebe, in denen sie aktiv und selbstbestimmt blieben. Ihr Ansatz wird deshalb als feministisch geprägt eingeordnet, mit einer Darstellung von Frauen als selbstbewusst statt objektiviert.
Die wichtigsten Bücher und Serien
- Snaps (1994)
- Couples (1998)
- Wicked (1999)
- Revenge (2003)
- Fräulein (Erscheinungsjahr je nach Angabe 2009 oder 2011)
- The Story of Olga (2012)
- Heimat (2017)
Ausstellungen
Ein dauerhaftes, ihr allein gewidmetes Museum gibt es nicht. Ihre Wanderausstellung “Devotion! 30 Years of Photographing Women” war unter anderem 2018 in der Fotografiska Stockholm, 2019 in der Fotografiska New York und 2021 in Tallinn zu sehen. 2018 zeigte zudem die Opera Gallery ihr Werk in Monaco, London und Beirut. Für Interessierte zeigt das: Ihr Werk wandert international zwischen Fotografie-Häusern und Galerien, statt an einem festen Ort zu verharren.
Aktuelle Ausstellungen 2026
Im Fotomuseum aan het Vrijthof in Maastricht läuft vom 31. Januar bis zum 13. September 2026 die Einzelausstellung “My Circus”. Im FLATZ Museum in Dornbirn zeigt die Schau “Shocking Pop” ihr Werk bis zum 7. Februar 2026.
Auszeichnungen
1991 gewann von Unwerth den ersten Preis beim International Festival of Fashion Photography. 2020 zeichnete die Royal Photographic Society sie mit ihrem Award in der Kategorie Editorial, Advertising and Fashion Photography aus – eine Anerkennung, die ihre Karriere über die reine Modefotografie hinaus einordnet.
Die Debatte um das Melania-Filmplakat 2026
Am 30. Januar 2026 fotografierte Ellen von Unwerth das Werbeplakat für die Amazon-Dokumentation “Melania” über Melania Trump und besuchte anschließend eine Vorführung im Weißen Haus. Das löste in ihrem beruflichen Umfeld in New York Kritik aus. Der Autor Louis Pisano, der den Vorgang öffentlich machte, äußerte sich kritisch zur Nähe zur damaligen US-Regierung. Die Sängerin Madonna teilte seinen Beitrag. Auch die Fotografin Francesca Sorrenti und der Illustrator Richard Haines äußerten sich kritisch, Haines zog dabei einen historischen Vergleich zur NS-Propaganda. Die Schauspielerin Mickey Sumner reagierte ablehnend.
Marc Beckman, der laut Bericht als Agent von Melania Trump auftritt, sagte gegenüber Fox News, von Unwerth und Trump verbinde eine enge Beziehung. Von Unwerths eigene Agentur kündigte laut demselben Bericht die Zusammenarbeit mit ihr öffentlich in den Kommentaren zu dem Beitrag auf. Der Ausgang der Debatte war Stand 21.09.2026 offen; ein Bericht vermutete, von Unwerth werde die Kontroverse in ihrem Berufsumfeld überstehen, da ihre wichtigsten Kontakte nicht politisch motiviert seien.
Das Wichtigste in Kürze
- Ellen von Unwerth (geboren 1954 in Frankfurt am Main) war zunächst Model, bevor sie 1986 zur Fotografie wechselte.
- Bekannt wurde sie unter anderem durch eine Guess-Kampagne mit der jungen Claudia Schiffer.
- Ihr von Helmut Newton beeinflusster Stil gilt als “kühle Erotik” mit Fokus auf selbstbestimmte weibliche Rollen.
- 2026 ist ihr Werk unter anderem in Maastricht (“My Circus”) und Dornbirn (“Shocking Pop”) zu sehen.
- Anfang 2026 sorgte ihr Werbeplakat für die Amazon-Dokumentation “Melania” für Kritik in ihrem beruflichen Umfeld; der Ausgang der Debatte war Stand 21.09.2026 offen.
Innerhalb der Mode- und Porträtfotografie steht von Unwerth damit für einen bestimmten europäischen Blick. Wie anders sich Akt- und Erotikfotografie außerhalb dieser Tradition entwickeln kann, zeigt das Werk des japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki.
Häufige Fragen
Wer ist Ellen von Unwerth?
Eine 1954 in Frankfurt am Main geborene deutsche Mode- und Porträtfotografin und ehemaliges Model.
Wie kam Ellen von Unwerth zur Fotografie?
1986 lieh sie sich bei einer Modeproduktion in Kenia eine Kamera; die dabei entstandenen Bilder fanden mehr Anklang als ihre eigene Modelarbeit.
Wodurch wurde sie bekannt?
Unter anderem durch Modefotos für die französische Elle, darunter eine Guess-Jeans-Kampagne mit der damals 17-jährigen Claudia Schiffer.
Was zeichnet ihren fotografischen Stil aus?
Eine von Helmut Newton beeinflusste, als "kühle Erotik" beschriebene Bildsprache mit Fokus auf selbstbestimmte, aktive weibliche Rollen.
Wo ist ihr Werk 2026 zu sehen?
Unter anderem im Fotomuseum aan het Vrijthof in Maastricht ("My Circus", bis 13.09.2026) und im FLATZ Museum in Dornbirn ("Shocking Pop", bis 07.02.2026).